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Nachruf auf Konrad Ragossnig

Konrad Ragossnig
Konrad Ragossnig

Am 03. Januar 2018 verstarb mit Konrad Ragossnig einer der großen Künstler und Pädagogen unseres Instrumentes. Mit ihm tritt nicht nur ein ungemein kompetenter und vielseitiger Kollege von der Weltbühne ab, es geht auch eine Ära einer Generation zu Ende, der wir alle so viel zu verdanken haben.

Er war einer derjenigen, der der Gitarre auf der Bühne, im Unterricht oder in Publikationen zu internationalem Ansehen verholfen hat und der wohl einer der ganz wenigen war, der es geschafft hat, auch international höchst renommierte Kollegen zu gemeinsamen kammermusikalischen Projekten und Konzerten zu gewinnen. Wer von uns wäre nicht stolz auf eine musikalische Partnerschaft mit Peter Lukas Graf, Marek Jerie, Hans Martin Linde oder Peter Schreier. Mit ihnen verband ihn eine lange künstlerische Zusammenarbeit und auch eine persönliche Freundschaft. In über 60 Einspielungen (CD und LP), zum Teil auch auf der Laute, legte er ein künstlerisches Vermächtnis ab, was so, heute wohl kaum wiederholbar scheint.

Seine internationale Konzerttätigkeit rund um den Globus dauerte viele Jahrzehnte und es gab wohl keinen Erdteil auf dem er die Musik unseres Instrumentes nicht mehrfach auf’s Feinste präsentiert hätte.

Seine ehemaligen Studierenden gehören zu den wichtigen Multiplikatoren der Gitarre und sein Handbuch für die Gitarre und Laute ist bis heute ein Standardwerk der wissenschaftlichen Arbeit rund um unser Instrument geblieben, ebenso sind seine Veröffentlichungen bei den renommiertesten Verlagen erschienen und bedeutende Komponisten wie Mario Castelnuovo Tedesco, Gottfried von Einem, Armin Schibler oder Hans Haug haben ihm Werke zugeeignet.

Menschlich war er mir als väterlicher Kollege freundschaftlich zugewandt, was für mich ein unschätzbares Geschenk war, da ich über viele Jahre an seinen Erfahrungen und seinem Wissen teilhaben durfte. Seine in jeder Beziehung generöse Lebensart, sein offenes, konziliantes Wesen und sein enormes künstlerisches Know how machten ihn zu einem „gentilhombre“ der Gitarre. Ich erlebte ihn als Menschen mit einem brillanten Verstand, einem feinen Humor und einer vornehmen Zurückhaltung, ohne je abweisend zu sein sowie seinem, jungen Talenten äußerst zugewandten Engagement.

Zahlreiche internationale und nationale Ehrungen und Auszeichnungen begleiteten nahezu sein gesamtes Leben. So war es für mich eine große Ehre ihm zu seinem 80. Geburtstag in Wien die Ehrenmitgliedschaft unseres Verbandes zu überreichen. Als ich die Nachricht von seinem Tode an viele Kolleginnen und Kollegen weiterleitete, zeigten zahlreiche Reaktionen voll von höchstem Respekt und größter Wertschätzung, welch tiefe Spuren fachlich wie menschlich Konrad Ragossnig bei so vielen von uns hinterlassen hat.

Lieber K.u.K., ich danke Dir für viele Gespräche voller Inspiration und Fantasie, für zahlreiche Gedanken zur Musik und Kunst und für Deine Offenheit und Deinen Humor. Ich verneige mich in tiefer Hochachtung vor einem Edelmann unseres Instrumentes und meine Gedanken werden auch zukünftig mit wunderbaren Erinnerungen an Dich verknüpft sein.

 

Alfred Eickholt
1. Vorsitzender der EGTA D